Sommerliche intensive Niederschläge von 1961 bis 2021 im Einzugsgebiet von Spree und Havel

In zahlreichen Medien finden sich regelmäßig Berichte über die Zunahme von extremen Wetterereignissen. Ein Beispiel dafür sind starke Niederschläge. Insbesondere in den Sommermonaten sollen diese auf Grund der gestiegenen Temperaturen zugenommen haben. Berichte dieser Art sind für einige Menschen schwer nachvollziehbar, insbesondere wenn die persönlichen Erfahrungen und Eindrücke nicht damit übereinstimmen.

Im folgenden Artikel wird dargestellt wie sich starke Niederschlagsereignisse im Einzugsgebiet von Spree und Havel verändert haben. Die Basis sind Primärdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im Betrachtungszeitraum von Juni bis August in den Jahren 1961 bis 2021.

Die Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen sind möglichst gute Daten. Für die Niederschläge stellt der DWD die aufsummierten täglichen Niederschlagsmengen ab 1951 und die stündlichen aufsummierten Niederschlagsmengen seit 2006 in den heutigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung. Die Daten sind frei verfügbar und die Bereitstellung mit öffentlichen Geldern finanziert.

Für diese Untersuchung wurden die täglichen Niederschlagsdaten verwendet, weil nur diese einen ausreichenden Zeitraum abdecken, um klimatische Veränderungen beurteilen zu können. Als Tage mit intensiven Niederschlägen wurden Daten mit mehr als 20mm definiert.

Begrenzt wurde die Analyse auf das Einzugsgebiet von Spree und Havel. Als Grundlage dafür dienten die Effekt-Zonen der Europäischen Umweltagentur für die Einzugsgebiete Europäischer Gewässer. Im Detail handelte es sich dabei um die Zonen für den Haupteinzugsbereich der Spree, der Dahme und den Berliner Gewässern („Berlin Waterbodies“). Das Einzugsbereich der Havel besteht aus dem Einzugsbereich von Rhin und Dosse, der unteren Havel mit Zuflüssen, dem Einzugsgebiet der Nuthe, den Potsdamer Gewässern („Potsdam Waterbodies“), den Gewässern an den Oberläufen der Havel und den „East Havel Waterbodies“ wozu beispielsweise die Templiner Gewässer gehören.

Zonen des Einzugsgebietes von Havel und Spree nach der Einteilung des ERC

Im Rahmen der Analyse für die vergangenen sechs Jahrzehnte fällt im Allgemeinen eine deutliche Häufung von Niederschlagstagen mit über 20mm im Süden des betrachteten Gebietes auf. Am dort befindlichen Oberlauf der Spree sorgen die Stauwetterlagen des Erzgebirges für häufigere Niederschläge. Auch im Bereich des Fläming und in den der odernahen Gebieten ist eine leichte Häufung zu erkennen. Dazu gibt auch eine statistisch erkennbare Korrelation von starken Tagesniederschlägen mit der Lage von großflächigen Seen.

Übersicht zu den gemessenen sommerlichen Tagesniederschlägen über 20mm von 1961 bis 2021 im Einzugsgebiet von Spree und Havel

Ein Vergleich der Werte über die vergangenen Jahrzehnte zeigt bis in die 1980er Jahre keine gravierenden Änderungen. Die geringsten Werte im Einzugsgebiet sind sogar in den 1980er Jahren verzeichnet worden, während die vorangegangenen Jahrzehnte mehr Niederschlagsereignisse über 20mm pro Tag aufzeigen. Diese Werte weichen allerdings nicht sehr stark von einander ab und können auch zufällig sein. In den 1990er stiegen zunächst die Starkniederschläge im Bereich des Oberlaufs der Spree an. Seit Beginn der 2000er Jahre ist eine signifikante Zunahme im gesamten Einzugsgebiet deutlich erkennbar.

Anzahl der Tagesniederschläge über 20mm im Sommer pro Dekade

Durchschnittlich hat sich die Wahrscheinlichkeit für Tagesniederschläge über 20mm in den 2010er Jahren um fast das doppelte gesteigert. Diese Zunahme ist nur noch zu einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit zufällig und lässt den Schluss einer deutlichen klimatischen Änderung zu, die sich u.a. in erhöhten erhöhten Durchschnittstemperaturen manifestiert.