Niederschlagsärmster Mai seit 30 Jahren in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern

Nachdem der  April 2018 statistisch unauffällig war, d.h. es fiel in den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen etwa so viel Regen wie im zuückliegenden 30-jährigen bzw. 50-jährigen gleitenden Mittel, war der Folgemonat Mai 2018 so trocken wie schon lange nicht mehr.

Seit etwa 30 Jahren gab es in den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt keinen niederschlagärmeren Mai mehr. Die nachfolgenden Tabellen zeigen die statistische Auswertung der Jahresreihen des DWDs der Monate April und Mai 2018. Aber auch die bisherigen Negativrekorde der Monate Mai der Jahre 1989 bis 1990 waren außergewöhnlich (s.u.).

Übersicht und statistische Bewertung zur Niederschlagssituation April 2018

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Übersicht und statistische Bewertung zur Niederschlagssituation Mai 2018

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Siehe auch den Fachbeitrag des FBMs im aktuellen EIP Agri Projekt “Precision Irrigation” zu Definitionen von Trockenheit.

 

Rückblick:

Die außergewöhnlich trockenen Monate Mai der Jahre 1988, 1989 und 1990 stellen den bislang nicht unterschrittenen Negativrekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

1989 gab es den bislang trockensten Mai in Brandenburg (13,2mm) und Mecklenburg-Vorpommern (8,2mm). Für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen war es der Mai 1990 mit jeweils 13,9, 12,4 bzw. 14,1 mm Niederschlag.

1893 war der bislang trockenste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Brandenburg.

 

Niederschlagsverteilung

Durchschnittliche Werte des Niederschlages sind gerade bei Flächenländern wie Brandenburg teilweise irreführend, da sie die regionalen Verteilungsmuster nicht wiedergeben.

Die Auswertung der Niederschlagsmessungen des DWDs ergaben die Situation, dass  v.a. in Brandenburg sowie in Mecklenburg-Vorpommern große Gebiete mit extrem niedrigen Niederschlägen (<5mm sowie 5-10mm) zu kämpfen hatten. In Brandenburg waren dass v.a. die nord-westlichen Regionen und in Mecklenburg v.a. die zentralen Teile sowie Rügen. Im südlichen Brandenburg waren dagegen höhere Werte zu verzeichnen, die u.a. mit den vergleichsweise höheren, aber immer noch unterdurchschittlichen, Niederschlägen in Sachsen in Verbindung zu bringen sind. Aber auch die Regenschattengebiete des Harzes in Sachsen-Anhalt waren, wieder einmal, von der Frühsommertrockenheit geprägt, die auch hier fast keine merklichen Niederschläge fielen.

In Brandenburg waren etwa 12% der Landesteile mit Niederschlagshöhen kleiner als 10 mm (1 Wassereimer pro m²) im Monat Mai konfrontiert. Gebraucht wären etwa 13 Eimer Wasser (130 Liter, siehe hierzu den älteren Beitrag). 35% des Landes hatten Niederschläge unter 15mm. Nur 0.5% des Landes hatten mehr als das langjährige Mittel von etwa 52mm für den Monat Mai 2018, wobei das absolute Maximum nur 68mm Regen war (eigene Analysen).

In Mecklenburg waren etwa fast 50% der Landesteile von Niederschlagshöhen unter 10 mm (Median = 11mm) betroffen. Etwa 4% der MVP Landesfläche hatten 5mm Niederschlag und weniger. Keine Region in MVP hatte im Mai 2018 mehr als das durchschnittliche Monatsmittel von etwa 48mm (eigene Analysen).

In Sachsen-Anhalt waren nur 1.5% der Landesfläche im Mai 2018 mit Niederschlägen über den langjährigen Mitteln von etwa 52mm gesegnet.  In 50% der Landesteile fielen hier weniger als 18mm. Mit 10mm (1 Wassereimer pro m²) oder weniger Niederschlag im Monat Mai 2018 mussten sich etwa 7% der Landesfläche Sachsen-Anhalts begnügen. Durch die bereits im April geringen Niederschläge (<20mm) mußte die Region um Hedersleben, Bessenstedt, Dederstedt (Einheitsgemeinde Salzatal im Saalekreis) mit kumulierten Niederschlägen der Monate April und Mai 2018 um etwa 30 mm leben. Normal und durchschnittlich wäre etwa 3-mal soviel zu erwarten gewesen. (eigene Analysen)

Trotz der  guten Böden der Regionen (größtenteils Löß-Schwarzerdeböden) mit hoher Wasserspeicherkapazität im effektiven Wurzelraum sind aber auch hier Ertragseinbußen bei ausbleibender Beregnung zu erwarten.

 

Niederschlagssituation April / Mai  2018

 

Auswertung und Zusammenfassung der Frühsommersituation für die Landwirtschaft

Vielerorts ist daher gerade in den Getreideanbaugebieten mit hohen Ertragseinbußen und verringerter Erntequalität, so zum Beispiel beim Anbau von Braugerste zu rechnen. Aber auch der sonst recht robsute Roggenanbeu leidet dieses Jahr unter der Trockenheit und Hitze. Vielfach sind die Getreidebestände in unberegneten Schlägen aufgrund fehlender Niederschläge bereits seit 1 bis 2 Wochen in der Notreife.

Durch die diesjährig extrem ausgeprägte Wärme und Trockenheit des Mais kam es zu außergewöhnlich hohen klimatischen Wasserdefiziten. Noch zu erwarten sind daher sowohl Ertragseinbußen in allen unberegneten Kartoffelanbaugebieten sowie in der Maisproduktion. Prognostiziert werden hier Einbußen von 50 bis 60% im Mittel gegenüber Normaljahren. In einigen Regionen sind sogar Totalausfälle realistisch. Beregnete Kulturen werden hier vielfach vermutlich keine überdurchschnittlichen Werte erzielen, da auch bislang der Juni keine nennenswerten und nachhaltig wirkenden Niederschläge brachte und vielerorts die Bewässerungslandwirtschaft mit der Bewässerung nicht hinterherkommt.

Durchweg produktive und gute Böden, wie sie u.a. in den Lößregionen Sachsen-Anhaltes aber auch Sachsens zu finden sind, konnten dieses Jahr nicht ihr ganzen Potential für den Ackerbau zur Geltung bringen, wenn eine Bewässerung nicht möglich war. Eine Verbesserung der Wasserinanspruchnahme durch Landwirte sollte v.a. für diese, aber natürlich auch für andere anders benachteiligte Regionen der Länder Brandenburg, Sachsens, sowie Mecklenburg-Vorpommerns Ziel einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Landwirtschaft sein. Der prognostische Wegfall der Förderung von Investitionen in überbetriebliche Bewässerungsinfrastukturen ab 2019 ist daher absolut unverständlich und wurde u.a. auf dem DLG Bewässerungstag 2018 in Linthe wieder sehr kritisch gesehen.

Der FBM e.V. setzt sich daher dafür ein, dass die Förderungen, wenn auch in anderer Form weitergeführt wird, und die Landwirtschaft, gerade in den klimatisch benachteiligten Regionen, einfacheren und klareren Zugang zur wasserrechtlichen Entnahmegenehmigung nach den Wasserhaushaltsgesetzen der Länder bekommt. Die Grundwasserleiter erlauben dies größtenteils. Weitere Informationen folgen demnächst.

Der FBM e.V. geht davon aus, das die Förderung der Bewässerung auf Landes- und Bundesebene den Gesamthaushalt weniger belasten wird als die jährlichen Kompensationszahlungen wegen Dürre und Trockenheit. Weitere Informationen hierzu folgen…

 

 

 

 

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