Bewässerungssaison 2019 – ein Resumee

 

Wie läßt sich die zweite heiße und vor allem trockene Saison in Folge für die ostdeutschen Bundesländer in Zahlen darstellen?

Grundsätzlich war diese Saison wieder von einem deutlichen Niederschlagsdefizit in den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und auch in Thüringen geprägt. Bis auf Mecklenburg-Vorpommern waren die Frühjahrsniederschläge im Flächenmittel geringfügig höher ausfallend als im bisherigen Dürrejahr 2018, insbesondere in den Höhenlagen der Mittelgebirge. Allerdings zeigt sich in der Fläche eine teilweise extreme Variabilität, da flächendeckende Niederschläge nahezu komplett ausblieben. Auch im Sommer waren im Flächenmittel die saisonalen Niederschläge höher als im Vorjahr.

Dazu kommen für den Sommer deutlich erhöhte Durchschnittstemperaturen in allen Bundesländern. In Brandenburg und auch in Sachsen wurden die höchsten jemals gemessenen Durchschnittstemperaturen registriert.

Daraus resultieren in allen Bundesländern hohe saisonale Wasserdefizite bzw. niedrigere klimatische Wasserbilanzen, die aber nicht ganz so extrem ausfielen wie im Dürrejahr 2018. Trotzdem sind gerade im Südosten Brandenburgs nahezu flächendeckend klimatische Wasserdefizite von 300mm und mehr festzustellen. Ähnliches gilt für nördliche Regionen Sachsens und mittlere Teile Sachsen-Anhalts.

  Klimatische Wasserbilanz [mm] nach DIN 4049-3 
20192018
FrühjahrSommerSaison 2019FrühjahrSommerSaison 2018
Brandenburg-122-273-395-153-296-449
MVP-103-201-304-104-260-364
Sachsen-Anhalt-110-276-386-148-338-486
Sachsen-73-263-336-124-287-411
Thüringen-33-239-272-90-295-385
Datenbasis: ftp://opendata.dwd.de/climate_environment/CDC/

 

Welche Auswirkungen hatte diese Saison für die Bewässerungslandwirtschaft aber auch für die nicht-bewässernden Betriebe?

Die Ausgangssituation des Jahres 2019 war vergleichsweise in den meisten Regionen sehr ungünstig: zu geringe Niederschläge des Winters und des frühen Frühjahrs hatten die ausgetrockneten Böden nicht ausreichend mit Wasser aufgefüllt. Erst Mitte März kamen nennenswerte Niederschläge in den Regionen an, die aber nur von kurzer Dauer waren und das vorherige Defizit nicht ausgleichen konnten. In Folge der hohen Temperaturen in Verbindung mit geringen oder gar ausbleibenden Niederschlägen wuchs das klimatische Wasserdefizit im Laufe der Saison stetig an.  Die Folge waren erneut komplett ausgetrocknete Böden und Ertragseinbußen vor allem bei unberegneten Sommerkulturen.

Für einen Modellbetrieb im laufenden EIP Projekt „Precision Irrigation“ wurde für dieses Jahr bereits Ende Februar im Beisein der Staatssekretärin Dr. Carolin Schilde vom MLUL ein Start der Bewässerungssaison für Mitte April prognostiziert. Diese Prognose traf leider ein.

Der pflanzenphyiologische Bewässerungsbedarf der diesjährigen Saison ist ingesamt betrachtet ähnlich hoch wie der des Jahres 2018.  In den meisten Fällen sind zur Verfügung stehenden genehmigten Wasserentnahmemengen höchstwahrscheinlich voll ausgeschöpft worden, da die bisherige Genehmigungsgrundlage solche extrem heiße Jahre nicht berücksichtigt.

Welche Auswirkungen hatte die Saison und die landwirtschaftliche und gartenbauliche Bewässerung auf die Wasserkörper?

Diese Frage läßt sich nicht einfach beantworten. Die Niederschlagsdefizite haben vor allem ein Absinken der obersten Grundwasserpegel verursacht. Dieser wird im Regelfall nur für Hauswasserbrunnen, z.B. für die Gartenbewässerung genutzt. Zusätzlich sind Oberflächengewässer und Stauanlagen der Regionen flächendeckend von sinkenden Pegeln betroffen gewesen. Vergleiche hierzu beispielhaft die Angaben des LfU Brandenburgs.

Im Regelfall wird landwirtschaftliches Bewässerungswasser aber aus tieferliegenden Grundwasserstockwerken entnommen, die durchaus ganz andere und oft langsamere Reaktionszeiten auf Entnahmen und hydrologische Gesamtveränderungen haben. Da in Deutschland und auch in den meisten Bundesländern, soweit bekannt, der Anteil der Grundwasserförderung für die landwirtschaftliche und gartenbauliche Bewässerung bei etwa 4% der Gesamtentnahme aus dem Grundwasser liegt, sind etwaige Grundwasserpegelveränderungen in den tieferen Grundwasserleitern, vermutlich nicht hauptsächlich auf die Bewässerung zurückzuführen.

 

Was tun?

Trotzdem setzt sich der Fachverband Bewässerungslandbau Mitteldeutschland e.V. dafür ein, daß ein Vorsorgemonitoring auch mit den landwirtschaftlichen Wassernutzern realisiert wird und mit den Landesämtern sowie länderübergreifend am Thema Wasserbereitstellung und vor allem am Wassermanagement gearbeitet wird. Initiativen und Ansätze hierzu sind bekannt, sollten aber konsequenter und vor allem mit allen Fachleuten, auch außerhalb der eigentlichen Wasserbehörden, entwickelt werden.

Insbesondere sehen wir hier eine Notwendigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit zur Grundwassernutzung und Entnahme. Leider sind aus diesem Jahr Fälle bekannt, wo sogenannte „besorgte Bürger“ massiv Wasserbehörden unter Druck setzen, warum während des Sommers Feldkulturen bewässert werden und die private Gartenbewässerung nicht mehr stattfinden darf. Wir sehen hier sowohl die Gefahr von systematischer falscher Denunziation als auch eine Sündenbocksucherei, die die Produktion regional erzeugter landwirtschaftlicher Produkte gefährden kann.

Der menschengemachte Klimawandel ist, wie aus allen Zahlen der letzten Jahre ersichtlich wird, in der Landwirtschaft aber auch in Gartenbau und Forstwirtschaft angekommen. Es gilt daher intelligente Lösungen zu entwickeln, wie mit der Ressource Wasser in den kommenden Jahrzehnten effizient, gerecht und nachhaltig umgegangen werden kann.

Wir empfehlen daher u.a. die Ausarbeitung von belastbaren Datengrundlagen zum zukünftigen Bewässerungsbedarf in Landwirtschaft und Gartenbau und eine verpflichtende Berücksichtigung und Umsetzung dieser in (Wasser)Bewirtschaftungsplänen durch die Landesplanungen, so wie es auch durch die EU Kommission bereits 2012 gefordert wurde. Zudem fordern wir die Umsetzung des GAK Rahmenplanes in allen Bundesländern, in dem u.a. die Ausarbeitung von Konzepten und Umsetzung dieser zur überbetriebliche Wasserbereitstellung für die Bewässerung förderfähig ist.

 

grafische Zusammenstellungen zur klimatischen Wasserbilanz und zum Niederschlag 2019

 


Brandenburg


Mecklenburg-Vorpommern


Sachsen-Anhalt


Sachsen


Thüringen

 


Durchschnittstemperaturen Frühling im Vergleich

Datenherkunft DWD

Frühjahr201920181981-20101971-20001961-19901881-1990STABW 1881-1990MAX 1881-201990% Qantil Zeitraum 1881-2019Anzahl mehr als 90% Quantil im Zeitraum
1881-2019
davon mehr als 90% Quantil im Zeitraum 1981-2019
Durchschnittstemperatur [°C][°C]N
Brandenburg9.910.59.08.68.18.21.111.110.0149
MVP9.09.18.07.57.17.21.110.28.9139
Sachsen-Anhalt9.610.59.08.58.18.21.010.99.91411
Sachsen9.010.08.47.97.67.61.110.49.4148
Thüringen8.59.78.07.57.17.21.010.08.8149

Durchschnittstemperaturen Sommer im Vergleich

Datenherkunft DWD

Sommer201920181981-20101971-20001961-19901881-1990STABW 1881-1990MAX 1881-201990% Qantil Zeitraum 1881-2019Anzahl mehr als 90% Quantil im Zeitraum 1881-2019davon mehr als 90% Quantil im Zeitraum 1981-2019
Durchschnittstemperatur [°C][°C]N
Brandenburg20.620.217.917.517.317.30.820.618.71411
MVP19.119.216.916.516.316.40.819.217.71410
Sachsen-Anhalt20.220.117.717.216.916.90.820.218.51310
Sachsen19.919.517.216.716.516.50.819.918.01411
Thüringen19.019.116.616.115.815.70.819.317.31412